Wir hoffen, Sie sind gut ins neue Jahr gestartet.

Mit diesem Newsletter Special 2026 geben wir Ihnen einen vertieften Einblick in zwei ausgewählte Themen-bereiche, die die Entwicklung der Energiemärkte aktuell maßgeblich prägen und zugleich zentrale Säulen der strategischen Ausrichtung der Ranft Gruppe darstellen. Im Mittelpunkt stehen Batteriespeichersysteme (BESS) als Schlüsseltechnologie für stabile, effiziente und wirtschaftliche Energiesysteme sowie der für uns wichtigste europäische Kernmarkt ITALIEN. Beide Themen begleiten unsere Projektentwicklung seit vielen Jahren und werden auch 2026 eine entscheidende Rolle für unsere weitere Entwicklung spielen.

In diesem „Special“ ordnen wir die relevanten Marktentwicklungen ein, erläutern die zugrunde liegenden Mechanismen und zeigen auf, wie wir unsere Aktivitäten vor diesem Hintergrund weiterentwickeln. Ihr Michael Ranft, Andrea Ranft und Rainer Zepke

BATTERIESPEICHERSYSTEME: BESS

Die aktuelle Marktsituation: Warum Volatilität kein Marktfehler ist

Der Umbruch in der Energiebranche im Jahr 2025 zeigt eindrucksvoll, dass der Strommarkt im Kern genau so funktioniert, wie er konzipiert wurde. Preissignale entstehen dort, wo Angebot und Nachfrage zeitlich oder regional nicht zusammenpassen. Volatilität ist daher keine Fehlfunktion, sondern eine logische Folge dieses Systems.

Dennoch wird diese Entwicklung von Teilen des Marktes weiterhin als „Marktversagen“ interpretiert – häufig aus einer ehemals gültigen Perspektive, die von festen Einspeisevergütungen und planbaren Erlösen geprägt ist. Aussagen wie „der Marktwert Solar ist schlecht, weil der Markt kaputt ist“ greifen aus unserer Sicht zu kurz.

Was bedeutet das konkret?

Nicht der Markt ist defekt, sondern die Rahmen-bedingungen haben sich verändert. Stromerzeugungsanlagen müssen heute anders gedacht und strukturiert werden als noch vor einigen Jahren.

Was bedeutet das für Ihr Investment?

  • Neue Chancen: Flexible Anlagen wie BESS profitieren von Preisschwankungen
  • Höhere Robustheit: Marktmechanismen belohnen Projekte mit intelligenter Betriebsführung.
  • Mehr Planbarkeit: Wer Flexibilität einplant, reduziert Erlösrisiken

Batteriespeicher als Ausdruck eines Paradigmenwechsels

Batteriespeichersysteme sind heute kein Zusatzmodul mehr, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Energiesysteme. Sie stehen für einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Energiesystem. Bei der Ranft Gruppe betrachten wir Photovoltaik inzwischen nicht mehr als reine Einspeiseanlage, sondern als Primärenergiequelle. Der Speicher übernimmt dabei eine aktive Rolle: Er verschiebt Energie gezielt in Zeiten, in denen sie systemisch sinnvoll und wirtschaftlich nutzbar ist. In unseren Simulations- und Bewertungsmodellen werden Erlöse daher nicht pauschal oder statisch angenommen, sondern stunden- und entscheidungsabhängig modelliert.

Was bedeutet das für Ihr Investment?

  • Höhere Ertragspotenziale: Speicher steigern die Wertschöpfung jeder Erzeugungsanlage.
  • Weniger Risiko:  Abregelungen und negative Preise werden abgefedert
  • Mehr Stabilität: Projekte mit Speicher sind robuster gegenüber Marktvolatilität

Neue Erfolgsfaktoren im Projektgeschäft

  • Früher entschieden: Flächenverfügbarkeit, regulatorisches Know-how, Genehmigungen, Bankenfähigkeit und Baukosten über den Projekterfolg.
  • Heute rücken neue Fakten in den Mittelpunkt: Datenkompetenz, szenariobasierte Modelle, Vermarktungslogik und Risikostrukturierung. Moderne Energieprojekte sind datengetriebene Systeme, die aktiv auf Marktmechanismen reagieren.

Was bedeutet das für Ihr Investment?

  • Höhere Transparenz: Entscheidungen basieren auf belastbaren Modellen
  • Bessere Planbarkeit:  Szenarien zeigen, wie Projekte in verschiedenen Marktphasen performen
  • Mehr Sicherheit: Durchdachte Risikoverteilung schützt Kapital

Technologische Entwicklung:

Welche Batteriespeicher (BESS = Battery Energy Storage System) unterscheiden wir in der Praxis

BESS sind keine einheitlichen Standardlösungen. Viel-mehr werden gezielt auf ihren jeweiligen Einsatzzweck zugeschnitten – BESS stabilisieren Leistungsflüsse, begrenzen Lastspitzen, optimieren Blindleistung und unterstützen Spannungs- und Frequenzhaltung. Damit verbessern sie unmittelbar die Netzqualität und erhöhen sie Anschluss- und Erweiterungsfähigkeit von Infrastrukturen.

Im großskaligen BESS-Bereich haben sich Kapazitäten (also das Fassungsvolumen von Speichern) von zwei bis acht Stunden etabliert. Diese Bandbreite erlaubt sowohl kurzfristige Flexibilität als auch die zeitliche Ver-schiebung größerer Energiemengen in Stunden höherer Nachfrage und attraktive Strompreise (Energy Shifting).

Grünstromspeicher, die direkt mit Photovoltaik- oder Windkraftanlagen verbunden sind und betrieben werden. Sie schützen vor Abregelungen, reduzieren Stromverkäufe zu sehr niedrigen oder negativen Preisen und erhalten bzw. optimieren so die Wirtschaftlichkeit des Projektes.

Graustromspeicher hingegen arbeiten unabhängig von einer Erzeugungsanlage. Ihr Fokus liegt auf Flexibilität, schneller Reaktion auf Marktveränderungen und zusätzlichen Erlösen aus Systemdienstleistungen.

Neben klassischen Grün- und Graustromspeichern haben sich unterschiedliche Infrastruktur-einbindungen etabliert.

Bei Co-Location-Projekten werden Batteriespeicher gemeinsam mit einer Erzeugungsanlage – etwa einer Photovoltaikanlage – am selben Netzanschlusspunkt betrieben. Ziel ist es, Erzeugungsspitzen wirtschaftlich besser zu nutzen, Abregelungen zu vermeiden und vorhandene Netzinfrastruktur effizient einzusetzen.

Stand-Alone-Speicher sind hingegen nicht an eine konkrete Erzeugungsanlage gekoppelt. Sie stellen Flexi-bilität  für  das Stromsystem  bereit, reagieren  auf Preissignale und Netzanforderungen und erzielen Erlöse vor allem über Marktpreise und Systemdienstleistungen.

In der Praxis gibt es zudem hybride Ansätze, bei denen Speicher sowohl mit Erzeugungsanlagen verbunden sind als auch zusätzliche Systemleistungen erbringen.  Welche dieser Varianten wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt maßgeblich insbesondere von Standort, Netzanschluss und regulatorischen Rahmenbedingungen ab. In der Ranft Gruppe projektieren wir daher auch BESS in allen Ausprägungsgraden. 

Was bedeutet das für Ihr Investment?

  • Breite Diversifikation: Verschiedene Speicherformen ermöglichen unterschiedliche Erlösmodelle
  • Standortoptimierung:  Projekte werden exakt auf lokale Bedingungen abgestimmt.
  • Höhere Wirtschaftlichkeit: Die passende Speicherlogik steigert die Gesamtrendite

Grafische Darstellung der unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten von Energiespeichern:

Wirtschaftliche Logik: Warum BESS heute eine Notwendigkeit sind

Batteriespeicher (BESS) wurden lange vor allem für Arbitrage genutzt – günstig laden, teuer entladen. Heute kommt jedoch ein weiterer entscheidender Nutzen hinzu: Sie verhindern Wert- und Energieverluste bei erneuerbaren Anlagen. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie wächst schneller als Netze, Speicher und flexible Verbraucher. Das führt zu starker Preisvolatilität, sinkenden Capture Prices (also den tatsächlich erzielten Einspeisepreisen, die oft unter dem Marktpreis liegen) und zunehmenden Abregelungen. Für Anleger bedeutet das: verlorene Strommengen und höhere Erlösrisiken.

BESS reduzieren diese Risiken, indem sie Strom flexibel in Märkten platzieren, in denen er den höchsten Wert erzielt – insbesondere im Regelleistungsmarkt und im Spotmarkt. Diese Kombination verschiedener Ein-nahmequellen nennt man Revenue Stacking.

Was bedeutet das für Ihr Investment?

Revenue Stacking macht Projekte robuster, weil sie nicht von einer einzigen Erlösquelle abhängen. Zusätzliche Einnahmen entstehen durch kurzfristige Marktoptimierung, Systemdienstleistungen und – je nach Markt – Kapazitätsvergütungen. Das Ergebnis: stabilere Cash-flows und ein widerstandsfähigeres Geschäftsmodell.

Netzdienlichkeit: Welche Rolle spielen BESS im Stromnetz

BESS leisten heute weit mehr als die zeitliche Verschie-bung von Energie. Aufgrund ihrer schnellen Regelbarkeit können sie zur Frequenzstabilisierung, zur Bereitstellung von Regelleistung und zur kurzfristigen Entlastung von Netzengpässen beitragen.

Allerdings gilt: Nicht jedes BESS kann automatisch alle Systemleistungen erbringen. Technische Auslegung, Betriebsführung, Netzanbindung und Marktregeln bestimmen, welche Leistungen tatsächlich erbracht und vermarktet werden können. Vor diesem Hintergrund werden in vielen Ländern parallel zum Ausbau von Speichern auch Marktdesigns und Systemdienstleistungsmärkte weiterentwickelt.

Was bedeutet das für Ihr Investment?

  • Mehr Erlöspotenzial:  Teilnahme an Systemdienstleistungsmärkten
  • Höhere Relevanz: Speicher werden regulatorisch gestärkt
  • Zukunftssicherheit:  Netzdienlichkeit wird ein zentraler Werttreiber

Regulierung Österreich: Signale des neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes

Mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG), das am 12.12.2025 im Nationalrat verabschiedet wurde, setzt Österreich wichtige Impulse für BESS, Flexibilität und neue Energienutzungsmodelle. Besonders relevant sind Regelungen zu Energiegemeinschaften, Peer-to-Peer-Modellen und der aktiven Rolle von Endkunden. Ab 2026/2027 wird schrittweise erwartet, dass sinkende Beschaffungskosten stärker an Endkunden weitergegeben werden. Qualitativ zeigt das Gesetz klar: Speicher werden zu zentralen Bausteinen eines flexi-bleren, marktnäheren Energiesystems – sowohl auf Kunden- als auch auf Netzebene.

KERNMARKT: ITALIEN

Marktdesign und Marktmechanik: Regionale Preissignale als Investitionstreiber

Italien zählt zu den dynamischsten Energiemärkten Europas. Ein wesentlicher Treiber ist der regulatorische Umbau des Strommarkts hin zu stärker regional differenzierten Preissignalen. Ab 2025 wird die bisherige Logik des einheitlichen nationalen Referenzpreises im Day-Ahead-Handel (dem Stromhandel für den jeweils folgenden Tag) schrittweise zugunsten einer zonalen Preisbildung zurückgeführt. Diese Entwicklung folgt europäischen Vorgaben zur Marktintegration und führt dazu, dass regionale Unterschiede im Stromsystem – etwa Netzengpässe, Übertragungskapazitäten und Angebots- und Nachfragestrukturen – deutlich stärker in den Marktpreisen abgebildet werden.

In einem solchen Marktdesign wirken regionale Faktoren unmittelbar auf Erlöse, Risiko und Vermarktungsstrategien. Italien ist in mehrere Gebotszonen gegliedert, darunter auch die Zone Sizilien. Für Projektentwickler und Investoren bedeutet dies, dass Standortqualität zunehmend über die Fähigkeit zur Flexibilität und Systemintegration definiert wird – und nicht mehr allein über das reine Erzeugungspotenzial.

Sizilien als Kernmarkt: Hohe Erzeugung trifft auf strukturelle Volatilität

Sizilien ist seit vielen Jahren ein zentraler Schwerpunkt unserer Projektentwicklung. Die Insel vereint mehrere strukturelle Vorteile. Die Sonneneinstrahlung zählt zu den höchsten in Europa und bildet die Grundlage für eine starke und weiterwachsende Stromerzeugung aus Photovoltaik. Gleichzeitig zeigen Marktdaten, dass einzelne Preiszonen – darunter Sizilien – im langfristigen Durchschnitt zu den höherpreisigen Regionen zählen.

Parallel dazu nimmt die Volatilität im Stromsystem deutlich zu. In ganz Europa steigt die Zahl der Stunden mit sehr niedrigen oder sogar negativen Strompreisen, da  der Ausbau erneuerbarer  Energien  schneller voranschreitet als der Ausbau von Netzen, Speichern und flexibler Nachfrage. In Regionen mit hoher erneuerbarer Einspeisung wie Sizilien treten diese Effekte besonders ausgeprägt auf. Genau diese Kombination aus hohem Erzeugungspotenzial, regionaler Preislogik und zunehmender Volatilität verleiht zeitlicher Flexibilität einen hohen wirtschaftlichen Wert.

Systementwicklung: Wachstum der Photovoltaik erhöht den Speicherbedarf

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den aktuellen Systemdaten wider. Die Solarstromproduktion in Italien hat in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt und neue Höchststände erreicht. Mit jedem weiteren Zubau steigen jedoch auch die Anforderungen an das Stromsystem. Erzeugungsspitzen führen zunehmend zu Preisdruck, lokalen Netzengpässen und einem wachsenden Bedarf an zeitlicher Verschiebung von Energie. Damit ändert sich die Rolle von Speichern von einem ergänzenden Instrument hin zu einem zentralen Bestandteil moderner Energieinfrastruktur.

Netzplanung und Speicher als Systeminfrastruktur

Auch die nationale Netz- und Systemplanung unterstreicht die wachsende Bedeutung von Speichern. Der italienische Übertragungsnetzbetreiber Terna identifiziert bis 2030 einen erheblichen zusätzlichen Bedarf an Batteriespeicherkapazität, um das Stromsystem stabil, effizient und auf den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien ausgelegt betreiben zu können. Parallel dazu werden umfangreiche Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung der Übertragungsnetze vorgenommen, um strukturelle Engpässe zu reduzieren und erneuerbare Erzeugung besser zu integrieren.

Netzausbau und Speicher werden dabei zunehmend als komplementäre Instrumente verstanden. Während neue Leitungen den regionalen und überregionalen Austausch von Strom verbessern, schaffen Batteriespeicher lokale Flexibilität genau dort, wo sie benötigt wird. Diese Doppelstrategie ist insbesondere für Regionen mit hoher erneuerbarer Einspeisung wie Sizilien von zentraler Bedeutung.

MACSE: Regulatorischer Rahmen für netzdienliche Speicherkapazitäten in Italien

Vor diesem systemischen Hintergrund hat Italien mit dem Ausschreibungsprogramm MACSE („Mechanism for the Procurement of Electric Storage Capacity“) einen spezifischen regulatorischen Rahmen für den Ausbau netzdienlicher Batteriespeicher geschaffen. MACSE wird vom Übertragungsnetzbetreiber Terna umgesetzt und zielt darauf ab, Speicherkapazitäten über wettbewerbliche Ausschreibungen langfristig zu kontrahieren.

Der Mechanismus adressiert gezielt den Bedarf an gesicherter Kapazität und zeitlicher Flexibilität im Stromsystem. Durch die langfristige Vergütung bereitgestellter Speicherkapazität wird ein Teil der Erlösstruktur planbar, was die Investitions- und Finanzierungssicherheit deutlich erhöht. Gleichzeitig bleiben die Speicher in die operative Markt- und Systemlogik eingebunden und können zur Stabilisierung des Netzes beitragen.

MACSE ist damit kein isoliertes Förderinstrument, sondern integraler Bestandteil der italienischen Markt- und Systemarchitektur. Insbesondere in Regionen mit hoher erneuerbarer Einspeisung und begrenzter Netzkapazität – wie Süditalien und Sizilien – schafft der Mechanismus einen tragfähigen Rahmen für großskalige Speicherprojekte.

Rolle der Ranft Gruppe: Lokale Erfahrung und systemisches Marktverständnis

Innerhalb dieses Rahmens konzentrieren sich unsere Aktivitäten in Italien besonders auf Sizilien. Unsere Projekte sind darauf ausgerichtet, netzdienliche Speicherkapazität bereitzustellen, zur Stabilisierung des Stromsystems beizutragen und gleichzeitig wirtschaftlich robuste Erlösmodelle umzusetzen. Die Ranft Gruppe verbindet dabei langjährige lokale Projekterfahrung mit technischem Speicher-Know-how und einem fundierten Verständnis der italienischen Markt- und Regulierungslogik. Gerade in einem zonalen Markt mit hoher Volatilität ist diese Kombination entscheidend, um Projekte nicht nur erfolgreich zu entwickeln, sondern sie auch langfristig tragfähig und investierbar zu strukturieren. 

FAZIT:

Die Energiemärkte verändern sich rasant. Volatilität, Flexibilität und regionale Preislogiken prägen die Zukunft. Batteriespeicher sind dabei nicht nur eine technologische Ergänzung, sondern ein zentraler Baustein moderner Energiesysteme – und ein entscheidender Faktor für wirtschaftlich robuste Projekte. Mit unserer langjährigen Erfahrung, unserem systemischen Verständnis und unserer klaren strategischen Ausrichtung sind wir überzeugt, dass die Ranft Gruppe in diesem Umfeld hervorragend positioniert ist.

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